Sonntag, 21. Juli 2013

Filmkritik – ‚Before Midnight’ mit Ethan Hawke und Julie Delpy


Julie Delpy und Ethan Hawke haben sich als Céline und Jesse in "Before Sunrise" lieben gelernt, in "Before Sunset" wiedergefunden und streiten sich nun, neun Jahre später, im dritten Teil der ‚Langzeitstudie’. In "Before Midnight" sind Céline und Jesse endlich ein Paar. Er hat seine Erlebnisse mit Céline in zwei erfolgreichen Büchern verarbeitet, ist zufrieden und immer noch verspielt, während seine Frau ihm Zwillinge geboren hat und dort angekommen ist, wo man das Leben in Frage stellt: in der Realität.

Céline und Jesse haben ihren Urlaub in der Villa eines Freundes verbracht und bringen Jesses Sohn aus erster Ehe zum Flughafen. Mit dabei sind ihre gemeinsamen Zwillinge. Das Paar wirkt nach wie vor verliebt, man neckt sich in aller Freundschaft und spielt sich die (verbalen) Bälle zu. Die Stimmung kippt, als die beiden widerwillig das Angebot ihrer Gastgeber annehmen, die ihnen ein luxuriöses Hotelzimmer gemietet haben, in dem sie ungestört von den Blagen eine Nacht verbringen können. Ohne die Fesseln des Alltags erkennt Céline, dass sie in der Beziehung zu kurz kommt. Sie kritisiert, dass Jesse ihr Glück aufs Spiel setzt, weil er wieder näher bei seinem Sohn leben möchte, was zu Konflikten mit seiner Ex führen und ihren eigenen Karriereplanungen entgegenstehen würde. Jesse versucht auf seine lockere naive Art, die Situation zu retten und provoziert damit Céline nur noch weiter. Schließlich arbeiten beide die Mängelliste ihrer Partner ab. Beide kennen die Schwächen des anderen und jeder Hieb endet mit einem ‚Treffer versenkt’, bis Céline schließlich konstatiert, dass sie Jesse nicht mehr liebt, womit sie eine mögliche Trennung inkludiert. Die Ultima Ratio eines Beziehungsstreits.

Ein Streitgespräch bietet natürlich ein weitaus höheres verbales Potenzial, als der verliebte Austausch von Weltanschauungen der ersten beiden Teile der Reihe. Die Dialoge sind perfekt choreografiert und die scheinbar perfekte Beziehungssituation, mit der der Film beginnt, hat den Zuschauer so weit eingelullt (aber auf eine unterhaltsame Art und Weise), dass der Konflikt wie ein Schock wirkt – ein Schock, der Jesse ähnlich wie den Zuschauer trifft. Nicht weniger trifft der Wiedererkennungseffekt der ausgetauschten Schläge unter die Gürtellinie. Unterhaltsam ist vor allem der auf wenige Minuten kondensierte Konflikt, der all das auf den Partner rsp. Gegner ablädt, was sich in neun Jahren ‚unter der Decke’ angesammelt hat.

Absolut empfehlenswert!

Bewertung:

4 (von max 5 Sternen).





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Bildquelle: Amazon.de

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