Dienstag, 16. Juli 2013

Rezension – ‚The Taliban Cricket Club’ von Timeri N. Murari

 
Genre:
Drama.

Umfang:
341 Seiten (Print).

Inhalt:
Die Afghanin Rukhsana kehrt nach einem Journalistik-Studienaufenthalt in Indien in ihr von den Taliban unterdrücktes Heimatland zurück, um ihre an Krebs erkrankte Mutter zu pflegen und eine arrangierte Ehe mit einem Landsmann einzugehen. Da die Taliban keine weiblichen Journalisten dulden, verliert sie ihren Job bei einer Kabuler Zeitung. Unter einem Pseudonym veröffentlicht sie jedoch weiterhin regimekritische Artikel. Sie wird schließlich zum verantwortlichen Minister der Taliban zitiert, der sie einschüchtert. Dennoch verliebt er sich in die widerspenstige Frau und verlangt, dass sie ihn heiratet. Rukhsana muss sich verstecken. 

Als die Taliban beschließen, ihr öffentliches Ansehen zu verbessern, indem sie Cricket für Männer erlauben und die Aufnahme in den internationalen Verband beantragen, stellen Rukhsanas Cousins ein Team auf. Sie wollen an einem in Kürze stattfindenden nationalen Wettbewerb in Kabul teilnehmen, dessen Siegerteam in Pakistan trainieren darf. Sie beabsichtigen die Chance nutzen, um aus Afghanistan zu flüchten. Da Rukhsana die einzige ist, die während ihrer Collegezeit Cricket gespielt hat, bitten sie ihre Cousine, ihr Team zu trainieren. Da Frauen Sport verboten ist, muss sie sich als Mann verkleiden. Sie geht damit ein erhebliches Risiko ein, da der Minister seine Schergen beauftragt hat, sie zu finden. Als das Turnier naht, überschlagen sich die Ereignisse.

Perspektive:
Ich-Erzähler (Rukhsana). Die Ich-Perspektive ermöglicht dem Leser, tief in die emotionale Welt einer jungen Frau einzutauchen, deren Drang nach Freiheit und Selbstverwirklichung sie in den Konflikt mit den Taliban und damit in Todesgefahr bringt.

Erzählzeit:
Präteritum.

Setting:
Das vom Krieg zerstörte Kabul. Der Gegensatz zwischen dem trostlosen Setting und dem Drang der jungen Menschen, ihr Leben in die (eigene) Hand zu nehmen, unterstützt den Spannungsaufbau des Plots.

Struktur und Spannungsbogen:
Der Plot lebt von der Bedrohungssituation der Protagonistin, die aufgrund ihres Freiheitsdrangs und ihres selbstlosen Eintritts für andere ein hohes Empathiepotenzial aufweist. Ihre Situation scheint aussichtslos, aber sie gibt nicht auf. Der Plot wechselt zwischen Rückblicken und der zunehmend bedrohlichen Gegenwart in Kabul und mündet in einer alles entscheidenden Klimax.

Sprache:
Muraris Sprache ist flüssig und vergleichsweise einfach. Sie korrespondiert gut mit der Empfindungswelt der jungen Protagonistin.

Fazit:
‚The Taliban Cricket Club’ beruht auf einem realen Ereignis. Die Taliban haben tatsächlich versucht, über Crickett an ihrem desolaten öffentlichen Image zu feilen. Der Versuch ist in seiner Absurdität mit Hitlers 1936er-Olympiade vergleichbar. Die Protagonistin und ihr Team sind jedoch fiktional.
Muraris Roman erinnert inhaltlich stark an Hosseini’s Bücher. Er wirkt jedoch sprachlich und inhaltlich weniger poetisch. Man merkt dem Autor seinen journalistischen Hintergrund an. Dennoch ist sein Buch absolut empfehlenswert. Murari verwebt gekonnt die scheinbar ausweglose Situation seiner Figuren mit einem existenziellen Sportdrama und einer berührenden Liebesgeschichte. Wer sich für Afghanistan, den Durchhaltewillen seiner Bevölkerung und die Absurdität des Lebens unter den Taliban interessiert, bekommt einen tiefgehenden emotionalen Eindruck dieser Zeit. Zudem ist das Buch als Kindle ausgesprochen preiswert.

Subjektive Bewertung:
5 Sterne (von max. 5).



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Bildquelle: Amazon.de / Harper

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